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Presseberichte

20.07.2009
Chor unterstützt nicht nur mit Musik - Die Geschichten der Schwarzen in Liedern
Delmenhorster Kurier - Ute Winsemann
 
Sogar mit Nelson Mandela haben sie gesungen. Wohlgemerkt: nicht nur für den Anti-Apartheid-Kämpfer, Friedensnobelpreisträger und damaligen Präsidenten Südafrikas, sondern mit ihm höchstpersönlich. Die Begegnung zählt zu den ganz besonderen Höhepunkten in der 20-jährigen Geschichte des Chorprojekts Shosholoza. Es hat sich der Unterstützung der schwarzen Völker Südafrikas verschrieben und greift dementsprechend auf deren Musik zurück.

"Wir versuchen, uns mit dem Gesang so weit wie möglich an das Original anzunähern", sagt Werner Ufferhardt, der sich die musikalische Leitung mit Jupp Hemmers teilt. "Wenn wir Glück haben, klingt es schon relativ afrikanisch" - mit geschlossenen Augen. Aber allein der Anblick der rund 45 Frauen und Männer verrät natürlich, dass nur einige wenige Afrikaner dazugehören. Deswegen ist auch klar, "dass wir das nicht eins zu eins reproduzieren", erklärt Ufferhardt. "Es wird immer ein weißer Anteil dabei sein"; ihn zu leugnen, wäre nicht glaubwürdig.

Trotzdem orientiert sich der Chor auch bei der Präsentation der Lieder an der südafrikanischen Tradition. Das heißt unter anderem, dass sie mit Bewegung verbunden werden, mit übernommenen Mustern ebenso wie mit eigenen Choreographien. Außerdem bemüht sich das Ensemble, zunehmend Elemente des "Storytelling" einzubauen. Sprich, die Lieder nicht nur vorzutragen, sondern mit ihnen Geschichten zu erzählen. Idealerweise sollen sich der rote Faden, Spielszenen, mit verschiedenen Chorstellungen gebaute Bilder und manchmal fast pantomimeartige Bewegung so verknüpfen, dass sich die Lieder praktisch von selbst erklären.

Mit den Texten nämlich dürfte das hiesige Publikum nicht weit kommen. Gesungen werden grundsätzlich Originalfassungen, also überwiegend Zulu, gelegentlich Xhosa, noch seltener Sotho oder andere Bantu-Sprachen und mitunter, vor allem bei einigen neueren Liedern, auch mal Englisch. Mehr noch als für die Zuhörer ist das eine ziemliche Herausforderung für die Sänger. Schließlich müssen sie unter anderem diverse für europäische Zungen äußerst ungewohnte Klick- und Schnalzlaute bewältigen.

All das - Sprache, Musik, Bewegung - lernen die Mitglieder nach Möglichkeit direkt von südafrikanischen Kollegen. In Noten geschriebene Sätze gibt es ohnehin so gut wie gar nicht, höchstens, wenn sie von anderen Europäern festgehalten wurden. Nur gelegentlich hören sich die musikalischen Leiter Lieder von Tonaufnahmen ab. Vorzugsweise arbeitet das Ensemble jedoch in Workshops persönlich mit den Afrikanern zusammen - sowohl mit einzelnen Künstlern als auch mit ganzen Chören oder Theatergruppen.

Oft geschieht das in Deutschland. Immerhin dreimal war Shosholoza aber inzwischen auch schon selbst in Südafrika, zuletzt im vergangenen Jahr. Während diese Reisen selbst organisiert waren, habe der Chor für nächstes Jahr erstmals eine offizielle Einladung aus Durban erhalten, berichtet Ufferhardt. Ob es klappt, hängt allerdings noch von der Finanzierung ab.

Die Aufenthalte sind für die Deutschen nicht nur Gelegenheit, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Mindestens ebenso wichtig ist es ihnen, sich an Ort und Stelle über die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes und insbesondere der schwarzen Bevölkerungsmehrheit zu informieren. Das geschieht unter anderem im Austausch mit mehreren sozialen und kulturellen Projekten, die Shosholoza seit Jahren politisch, organisatorisch und auch finanziell unterstützt.

Vorrangige Themen sind für sie derzeit Vorbeugung und Aufklärung hinsichtlich HIV/Aids, Jugendkriminalität und Gewalt. Sie spielen dementsprechend auch für den deutschen Chor eine immer größere Rolle, seit der ursprüngliche Kampf gegen die Rassentrennung mit dem - zumindest formalen - Ende der Apartheid ein wenig in den Hintergrund getreten ist.

Dass Shosholoza die damalige Umbruchzeit überdauert hat, sei nicht zuletzt Nelson Mandela zu verdanken, meint Ufferhardt. Bei dem Treffen 1996 habe der Chor vor lauter Aufregung zwar bestimmt "ganz scheußlich gesungen". Aber "Madiba" habe sich einfach eingereiht und ihnen anschließend gesagt: "Macht weiter. Jetzt geht’s erst richtig los." Das, blickt Ufferhardt zurück, sei für ihn und viele andere "der entscheidende Kick" gewesen, in die Richtung zu gehen, die schon das Xhosa-Wort Shosholoza" beschreibt: "Vorwärts! Voran!"

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Ein Informationsblatt über die Arbeit des Chorprojektes kann angefordert werden bei:
Werner Ufferhardt
w.ufferhardt@t-online.de
Ulrike Gläser
uli.glaeser@gmx.net

Wir bitten herzlich um Spenden für die von uns unterstützten Projekte auf das nachstehende Konto!

Kontoverbindung:
Chorprojekt Shosholoza
Volksbank Oldenburg eG
IBAN DE40 2806 1822 3124 5145 00
BIG GENODEF1EDE
Stichwort:  Shosholoza-Projekte

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