Ein Besuch bei Nelson MandelaChor „Tshotsholoza“ vor Südafrika-Reise – Fernsehporträt geplant
Delmenhorst. Johann Engelbrecht zeigt sich erfreut und erstaunt zugleich. Der Europakorrespondent des südafrikanischen Fernsehens arbeitet derzeit an einer Reportage über den Chor „Tshotsholoza“ aus Delmenhorst, und für ihn als Südafrikaner ist es „hochinteressant, dass ein deutscher Chor südafrikanische Lieder der Schwarzen singt ohne jemals in Südafrika gewesen zu sein.“
Doch das wird sich am Sonnabend ändern, denn dann starten 30 der 45 Sänger zu ihrer ersten „Südafrika-Tourne“. Diese Reise ist auch der Anlass für Engelbrecht eigens aus seiner Redaktion in Amsterdam nach Delmenhorst zu reisen, um ein Porträt des Chors zu filmen.
Im staatlichen südafrikanischen Fernsehen SABC (South-African-Broadcasting-Company), vergleichbar der ARD, soll dieses rund zehnminütige Porträt immerhin zweimal gesendet werden: Zunächst im Frühstücksfernsehen und noch einmal am Abend in einem Kulturmagazin.
Werber Ufferhardt, einer der Chorleiter von „Tshotsholoza“, ist selber ganz erstaunt über die Resonanz, die der Chor schon vor seiner Ankunft in Südafrika erfährt. „Wir haben Anfragen von Chören vor Ort bekommen, die wir besuchen sollen, von denen wir nie zuvor gehört haben.“
Der Höhepunkt der Reise wird jedoch ein Besuch im Hauptquartier des ANC (African National Congress) sein. Nelson selbst habe die Einladung ausgesprochen, berichtet Ufferhardt. Schon bei seinem Staatsbesuch in Deutschland seien sie auf Einladung der südafrikanischen Botschaft nach Bonn gereist und hätten den Staatspräsidenten und Vorsitzenden des ANC getroffen.
Für den Chor ist diese Aufmerksamkeit auch eine Bestätigung ihres langjährigen Engagements gegen die Apartheid. Auf Initiative eines im Exil lebenden Mitglieds des seinerzeit noch verbotenen Nationalkongresses entstand 1988 dieser Chor. Seitdem sang man die Lieder des farbigen Widerstandes auf zahlreichen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb dieser Region.
Die Mitglieder von „Tshotsholoza“ stammen größtenteils aus Gewerkschaftschören und ihr Engagement ist ausschließlich ehrenamtlich. Selbst die jetzige Reise wird aus eigener Tasche finanziert. Unterstützung gibt es lediglich vom deutschen Musikrat und in sächlicher Form half das Kulturamt mit dem Kleinen Haus, das für ein Konzert kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. „Diese Einnahmen sollen alle in südafrikanische Projekte fließen“, erklärt Ufferhardt.
Neben dem Kulturaustausch dient die Reise in erster Linie der Neuorientierung des Chores nach dem offiziellen Ende der Apartheid. „Wir wollen soziale Projekte besuchen und zu einigen von ihnen einen sozialen Kontakt aufbauen, um hier eine Solidaritätsarbeit leisten zu können, die direkt den Menschen in Südafrika zu Gute kommt“, erläutert Ufferhardt die Idee der Reise.
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