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Südafrika  

Fünf Tage für Afrika

Eine Serie deutscher Staatsbesuche beginnt, doch die Hoffnung für den Kontinent bleibt vage

Von Rupert Neudeck, Frankfurter Rundschau online 2003

Nun fliegen sie wieder. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat sich nach Mali aufgemacht - trotz aller Abstimmungen im Bundestag über die Gesundheitsreform und das Programm 2010. Mali - das liegt nahe, er will sich für die guten Dienste des Staates in Zentralwestafrika bedanken, der lebhaft dazu beigetragen hat, dass die deutschen Geiseln freikamen, die in Algerien gekidnappt worden waren. Dann will er weiter fliegen am heutigen Mittwoch nach Namibia, dann weiter am 30. Oktober (bis 1. 12.) nach Pretoria, Johannesburg und Kapstadt. Fünf ganze Tage - das ist viel für die Verhältnisse eines deutschen Außenministers, der sich ja sonst nur Stunden für den Kontinent der Habenichtse freinahm.

Keine Visite ohne Südafrika

Vom 9. bis 19. Dezember wird ein Vorauskommando sich darum in den vier Ländern um den nächsten Afrikabesuch des Bundeskanzlers kümmern. Trotz seiner vielen Ankündigungen, zurückzutreten für den Fall, dass seine Agenda 2010 nicht durchkommen sollte, rechnet man im Protokoll des Bundeskanzleramtes fest mit dieser Kanzlerreise. Gerhard Schröder wird nach Kenia gehen, ein Land, das nach dem unblutigen Wechsel von Daniel Arap Moi zu Präsident Kibaki eine Welle von guten Reformen erlebt und den Goliathkrieg gegen die Korruption eröffnet hat. Er wird die alte Freundschaft mit Äthiopien und Ghana hochleben lassen sowie die Republik Südafrika mit seinem Besuch bedenken. Merke: Mittlerweile findet kein Staatsbesuch in Afrika mehr ohne Südafrika statt.

kommt noch der Bundespräsident Johannes Rau, der zum Schluss seiner Amtsperiode noch mal zu einem großen Besuch des schwarzen Kontinents ausholt. Johannes Rau wird nach Nigeria reisen, dann Tansania besuchen und Südafrika, am Ende noch einen Abstecher nach Djibuti machen, weil es dort die Einheit der Bundesmarine gibt, die einen langweiligen Beobachtungsjob im Roten Meer macht.

Ex Africa semper aliquid novi, so sagte es der römische Historiker Livius vor 2000 Jahren. Aus Afrika gibt es mittlerweile wenig Erfreuliches zu berichten. Themen fallen immer wieder herunter vom Speiseplan der Medien. Ganz kurzfristig machte der Bürgerkrieg in Elfenbeinküste das bislang so stabile Land zu einem Thema. Doch obwohl sich an der latenten Gefährlichkeit der Lage und einer de facto Zweiteilung des Landes nichts geändert hat: Das Land ist aus unserem Blickwinkel völlig weggetaucht.


In Liberia gab es wegen des dramatischen Abgangs eines der größten Verbrecher auf der Welt, des leider seinerzeit von Liberianern gewählten Präsidenten Charles Taylor, in sein luxuriöses Exil in Nigeria kurzfristig Aufmerksamkeit, journalistisch wie humanitäre. Doch dann verdämmerte das Land unter den 53 Afrikastaaten.

Ganz kurzfristig gab es eine winzige Aufmerksamkeit für die mittlerweile so genannte Demokratische Republik Kongo, das ehemalige Zaire des finsteren, aber mächtigen Diktators Mobutu Sese Seko. Nach einem genozidverdächtigen Massaker, in einer Reihe anderer und vorhergegangener, zwischen den Hemu und den Lendu in der Provinz Bunia, besonders in Ituri, wurde der Welt wieder einmal bekannt: Die UN-Beobachter sind dort mit einer kleinen Blauhelmtruppe stationiert. Vornehmlich waren es Uruguayer und andere Südamerikaner.

Nachdem das Massaker stattfand, ohne dass wieder einmal die Blauhelme eingriffen und etwas taten, kamen mit großem weltjournalistischem Begleitgetöse die Franzosen und richteten dort ein neues Hauptquartier ein. Sie hatten auch das Mandat nach Kapitel 7 der UN-Charta, ein - wie man sich angewöhnt hat zu sagen - robustes Mandat.

Abzug der Franzosen

Die Franzosen, die so viele Journalisten in ihre Flugzeuge gepackt und ihrer kleinen Mission dort große Publizität verschafft hatten, sind längst wieder weg. Die Einsicht kam damals durch, dass Bunia und Ituri nur einen ganz kleinen Zipfel eines riesengroßen Landes bilden, in das etwa die Bundesrepublik zwölfmal hineinpasst. Mittlerweile sind die Blauhelme dort, die Kofi Annan auf der ganzen Welt haben kann: Bangladescher.

Kürzlich gab es noch die Ankündigung: Der über 40 Jahre in Sudan tobende längste Bürgerkrieg der Zeitgeschichte würde schnell zu Ende gehen, weil sich die beiden Bürgerkriegsparteien, die Regierung in Khartoum und die SPLA, auf alles geeinigt hätten. Der Usurpator, Staatschef Generaloberst Omar el Bachir (kam 1989 durch Militärputsch an die Macht), hätte sogar den Chef der Rebellenarmee, den Obersten Dr. John Garang, gelobt wegen seiner Flexibilität in den Verhandlungen. Aber die wichtigen Details, die noch zu klären sind, sind die wie schon in allen Verhandlungsrunden: Worüber, über welches Territorium soll das Referendum der Bevölkerung stattfinden? Wo soll die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südsudan liegen? Werden die Nuba-Berge im Norden, bei den Arabern, oder im Süden bei den Schwarzafrikanern liegen?

Ex Africa semper aliquid novi. Ja, diese Äußerung des lateinischen Historikers Livius hören wir gern, allein uns fehlt die Kraft und der Glaube, das Neue dort wahrzunehmen. Deshalb können wir nur hoffen, dass von Ende Oktober bis zum März 2004 wenigstens durch die deutschen Staatsbesuche das Interesse an Afrika wieder hoch kommt.

Denn es wird nicht ausreichen, dass irgendein Moderator des ZDF sich mal auf eine von Unicef bezahlte Sonderbotschafterreise macht. Und sich darüber dann in der bunten, vermischten Talk-Show von J. B. Kerner (15. 10. 2003) zu Wort meldet, um da einen mit hübschen Human-Touch-Bildern versetzten Reisebericht aus Angola zu bringen.

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