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Südafrika  

Die gute Nachricht ist, das Glas ist mehr als halb voll

von David Canning, aus der Zeitung "Mercury", 17. September 2003

Als Südafrikaner sprechen wir oft von der Nationalhymne - nicht UNSERER Nationalhymne. Wir sprechen von der Regierung, nicht UNSERER Regierung. Uns fehlt eine gemeinsame Vision.

Dennoch steht dieses distanzierte Verhältnis (das nahe legt, wir sind noch nicht besonders weit bei der Definition eines gemeinsamen nationalen Zieles) in Kontrast zu einer massiven Verbesserung der politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen. Das sprichwörtliche Glass ist mehr als halb voll, argumentiert Stewart Pennington, Vorsitzender einer Organisation mit Namen "Südafrika, die guten Nachrichten".

Pennigton sprach über Probleme ausufernden Pessimismus auf einem Informationsfrühstück des Mercury/Business Report in Durban.

Um seinen Standpunkt zu untermauern lud er die Gäste des vollbesetzten Saales ein, einen Fragebogen über Südafrikas Fortschritt seit 1994 auszufüllen. Die Antworten der Anwesenden unterschätzten völlig Südafrikas Fortschritt. Er schickte sich dann an, die Einschätzungen mit den Tatsachen gerade zu rücken.

Im Vergleich zu 230 anderen Ländern steht SA bezogen auf das Wirtschaftsvolumen an 25. Stelle. Das Staatsdefizit ist auf 2,1 % Prozent gesunken, nachdem es in den letzten Apartheitsjahren gar nicht mehr einzuholen war. Exporte, als ein Indikator wirtschaftlicher Stärke sind um 93% gewachsen. Exporte von Autozubehör sind von 4 Millarden Rand auf 40 Millarden im Jahr 2002 gewachsen. Die südafrikanischen Arbeiter sind in Konkurrenzfähigkeit an 5. Stelle. Steuereinnahmen haben sich um 177 % erhöht seit 1994 und die Anzahl der Staatsangestellten ist um 15% gesunken. Durchschnittlich 500 Häuser wurden täglich für die Armen gebaut, der Tourismus ist um 84% gewachsen.

Die Organisation "Transparanxy International" stuft SA unter den am wenigsten korrupten Nationen an 36. Stelle ein. Gleichzeitig nimmt SA unter 25 aufstrebenden Volkswirtschaften bei der Stabilität den 6. Platz ein.

Unglücklicherweise, sagt Pennigton, sind sich viele Südafrikaner dieser Fortschritte seit 1994 nicht bewusst. Während die Regierung viele Errungenschaften im Kampf gegen Armut und der Verbesserung der Lebensbedingungen zu verzeichnen hat, war sie sehr schlecht bei der Kommunikation dieser Ergebnisse.

So wurde SA bezogen auf sichere Investitionen seit dem Machtwechsel mehrere Male hochgestuft und gilt nach 9 Jahren als sicherer Ort für Investitionen.

Bildung, Kriminalität und Armut bleiben große Probleme und niemand sollte diese Herausforderungen kleinreden. Dennoch gibt es auch in Bezug auf Armut Fortschritt. So hat sich die Anzahl derjenigen, die in vollständiger Armut leben von 34% auf 13%-14% verringert.

Etwa 1.8 Mio. Häuser wurden gebaut - sehr viel mehr Menschen haben heute Zugang zu Elektrizität, fließendem Wasser und Telefon. Der Verkauf von Konsumgütern hat sich beschleunigt, was den Effekt wachsender Hoffnung bei den Menschen hat.

Das Ministerium für Bildung übernahm ein System, das in Trümmern lag. Eine alarmierende Anzahl von Schulen war überfüllt ohne Elektrizität, sanitäre Einrichtungen und Telefon. Hier konzentrierte man sich zunächst auf den Zugang zu Bildung. Das Verhältnis Lehrer Schüler sank von 46 auf 32.

Kriminalität ist als Problem in jedermanns Munde, aber es ist gleichzeitig ein zunehmendes Problem weltweit. So werden z.B. in Deutschland eine halbe Millionen Autos gestohlen. Man sollte die Dinge im Zusammenhang sehen. Die Mordrate in Durban ist auf 56 pro 100 000 gesunken. Dem gegenüber stehen zugegebenerweise nur 4 Morde pro 100 000 Menschen in London, aber 88 pro 100 000 in Washington DC.

Auch hier übernahm die Regierung ein heruntergekommenes System, das sich langsam erholt. 1994 benötigte man 97 Tage, Fingerabdrücke zu überprüfen. Heute dauert es weniger als 24 Stunden. Die Gebäude zur Schaffung eines verbesserten Rechtsystems sind erstellt. Kriminalität ist in Johannesburg um 80% gesunken. Gemeinsame Anstrengungen erbringen auch in Kapstadt Verbesserungen.

Auch beim Sport tut sich einiges. So stieg der Medaillenspiegel bei den Commonwealth Games von 11 im Jahr 1994 auf 46 Medaillen in 2002.

In der Wirtschaft übernahm die ANC Regierung eine Situation der explodierenden Kosten. Einnahmen und Ausgaben befanden sich im ungünstigsten Verhältnis seit dem 2.Weltkrieg. Seitdem bekam man die Kosten zunehmend in den Griff und die Einnahmen stiegen.

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