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Südafrika  

Kriminalität - Wo Fakten, Politik und Emotionen aufeinanderprallen

Published courtesy of JP Landman and BoE Private Clients

By JP Landman, published 07/02/2007, on www.goodnews.sa

In der gegenwärtig aufgeheizten Atmosphäre zum Thema Kriminalität ist es für einen Jornalisten nicht ratsam, sich zu dogmatisch zu geben - aber, zum Teufel sagt Politik und Trend Forscher JP Landmann, lass uns erzählen wie wir es sehen:

Zunächst einmal zur Wahrnehmung der Bevölkerung in SA: In zwei Studien wurden Befragungen ausgewertet zur Furcht in der Nacht, Angst allein oder nachts zu reisen etc. Ergebnis: Die Menschen haben mehr Angst als zuvor. Schlußfolgerung: Die Empfindung der Einwohner zu Kriminalität ist, das es schlimmer geworden ist - es geht bergab.
Eine empirische Tatsache aber ist, dass sich Kriminalität in verschiedenen Kategorien verringert hat. Zu diesem Ergebnis kommt das SA Institut für Rassenbeziehungen(SAIRR), das eine eher kritische Haltung gegenüber der Regierung hat: In 8 von 12 Kategorien von Kriminalität ist in den letzten 10 Jahren eine geringere Häufigkeit festzustellen. Grundlage dieser Aussage sind neben Statistiken Opferuntersuchungen, bei denen eine repräsentative Gruppe der Bevölkerung zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität befragt wird, welche Art von Vergehen, wie oft usw.

Zu den Arten von Straftaten, die zurückgingen gehören (gemessen in Standard Bemessungen Delikte pro 100 000 der Bevölerung) Mord (-41%), versuchter Mord (-36,5%), Autodiebstahl (-32,8%) und Wirtschaftskriminalität (-28,9%). Zugenommen haben hingegen laut SAIRR Vergewaltigung (+1,6%), Sittlichkeitsvergehen (+106%), schwerer Raub (+16,8%) und Vergehen in Verbindung mit Drogenkonsum (+72,4%).

Wie kommt es zu diesen gegenläufigen Trends - Menschen fühlen sich unsicherer und doch nehmen bestimmte Straftaten eher ab. Dies ist vielleicht am besten mit der Zunahme von Wohnungseinbrüchen zu erklären. Die Wohnung sollte unverletzlich sein - und dies ist zerstört, wenn Räuber eindringen. Bezieht man weiter blinde Zerstörung vieler dieser Taten mit ein, kann man verstehen, warum Menschen sich unsicher fühlen.

Und sind überwiegend Weisse Ziel? Ist Kriminalität ein Mittel um Weisse im Land loszuwerden? Opferuntersuchungen ergeben, dass Weisse und Inder sich unsicherer fühlen als Schwarze und Farbige. Eine interessante Statistik von Jonny Steinberg, einer der vernünftigeren Stimmen zum Thema Kriminalität besagt: Weise bilden 1/11 der Bevölkerung SA aber bilden 1/33 der Mordopfer. Die häufigsten Mordopfer sind schwarz oder farbig, männlich und jung.

So was ist also los? In Verbindung mit dem Thema Kriminalität werden vorwiegend die Wirksamkeit von Maßnahmen und die politische Verantwortung diskutiert. Ich würde zwei weitere Aspekte in die Diskussion einführen: Werte und Demografie.

Erst die Werte. In 81% der Morde kannten sich Täter und Opfer, bei Vergewaltigung geschahen 76% der Fälle unter Bekannten, bei schweren Überfällen kannten sich 89% die Beteiligten. Ist dies die normale Art, wie Menschen miteinander umgehen? Irgendetwas stimmt nicht mit dem sozialen Kapital unseres Landes. Dem kann man mit effizienter Polizeiarbeit nicht beikommen. Je eher wir uns auf die Art des sozialen Umgang konzentrieren desto früher können wir dieses Problem lösen.

Verbinde dies mit dem zweiten Aspekt, die altersmäßige Struktur unserer Gesellschaft. Eine bestimmte Wissenschaftsrichtung geht davon aus, das die meisten Gewaltverbrechen von Männer unter 35 begangen werden. Wenn die Altergruppe der 15 - 29 jährigen 30% der Gesamtbevölkerung übersteigt folgt daraus Gewalt.(Caldwell, Fin Times, 5 January 2007) Dieses trifft genau auf unsere Gesellschaft zu.

Werte können nur durch eine Umerziehung des sozialen Kapitals verankert werden. So wurden in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg Akademien geschaffen in denen man die neuen politischen Werte lehrte und eine neue Generation gegen jedwedes Despotentum drillte. Das war ein bewußter Akt, das eigene politische Erbe zu bekämpfen. Aktiv werden gegen Korruption und Inkompetenz - aber Zynismus vermeiden, der absolutes Gift für das soziale Kapital ist.

Bezogen auf die Altersstruktur ist die einzige Lösung Ausbildung, Bildung und Fertigkeiten. Es erfordert wirtschaftliches Wachstum und Armutbekämpfung.Und es benötigt Zeit. Wir zahlen jetzt den Preis für 25 verlorene Jahre zwischen 1977 und 2002 als die Bevölkerung schneller wuchs als die Wirtschaft. Glücklichweise hat sich dies jetzt gedreht und dies könnte die wichtigste Entwicklung Mbeki's Amtsperiode werden.

Die Regierung muss sich zu diesem Thema äußern und zeigen, dass sie die Gefühle der Menschen wahrnehmen. Dies wird an den Tatsachen nicht viel ändern aber den Südafrikanern die Kraft geben, mit diesem Thema besser fertig zu werden.

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