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Südafrika  

Afrika blüht auf

Johannes Dietrich

Das als Hochburg von Krisen, Korruption und Missmanagement verschrieene Afrika schickt sich an, seinen Ruf als Aschenputtelkontinent abzustreifen. Mehrere Studien der Weltbank, des Internationaler Währungsfonds (IWF) und der Entwicklungsagentur der Vereinten Nationen (Unctad) sprechen von der erfreulichsten Phase, die Afrika seit der Unabhängigkeit in den 60er Jahren erlebe. Dank steigender Rohstoffpreise und qualifizierterem Management befinde sich der Kontinent in der "wirtschaftlich besten Form seit Jahrzehnten", meint auch der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Donald Kaberuka.

Anhaltendes Wachstum


Grund für den neuen Optimismus ist vor allem das anhaltende Wirtschaftswachstum, das inzwischen die in den Industrienationen üblichen Quoten in den Schatten stellt. Seit mehreren Jahren wachsen die afrikanischen Ökonomien bereits um durchschnittlich rund fünf Prozent: Einzelne Staaten wie Mauretanien oder Angola konnten im vergangenen Jahr sogar Steigerungsraten um 19,8 beziehungsweise 17,6 Prozent verzeichnen. Dort haben sich vor allem die hohen Erdölpreise bemerkbar gemacht. In Mauretanien wird erst seit vergangenen Jahr das "schwarze Gold" gefördert.

 

Doch auch afrikanische Staaten, die über keine Erdölvorkommen verfügen, konnten erfreuliches Wachstum verzeichnen. Allen voran Südafrika, die wirtschaftliche Supermacht des Kontinents, mit fünf Prozent sowie Mosambik, dessen Ökonomie sich sogar um fast acht Prozent ausdehnte. "Die vergangenen sechs Jahre stellen die längste Periode anhaltenden Wirtschaftswachstums seit der Unabhängigkeit dar", kommentiert Kaberuka. Für dieses Jahr rechnet er sogar mit einem durchschnittlichen Anstieg in Afrika von 6,5 Prozent.

Ausländische Direktinvestitionen, auf die viele Staaten bisher weitgehend verzichten mussten, haben sich nach Unctad-Angaben allein in den zwei Jahren zwischen 2004 und 2006 verdoppelt - und zwar auf die Rekordsumme von 36 Milliarden Dollar. Erwartungsgemäß floss der Löwenanteil dieser Investitionen zwar in erdöl- oder anders rohstoffreiche Staaten zur Erkundung und Ausbeutung neu entdeckter Bodenschätze. Doch selbst in die erdöllosen ärmsten Länder Afrikas wie Burundi, Guinea-Bissau, Äthiopien oder die Kapverden sollen insgesamt acht Milliarden Dollar privater Investitionen gelenkt worden sein.

Allerdings versäumt die Unctad nicht darauf hinzuweisen, dass der Anstieg der Direktinvestitionen in den Entwicklungsstaaten Asiens noch viel stärker war: Prozentual habe sich der afrikanische Anteil am weltweiten Kuchen von 3,1 Prozent im Jahr 2005 auf 2,7 Prozent im vergangenen Jahr verringert.

Als Grund für die dennoch überraschend positive Entwicklung wird zunächst die vor allem vom dramatischen Aufstieg Chinas geschürte Nachfrage nach Bodenschätzen angeführt. Das Handelsvolumen Chinas mit Afrika hat sich seit der Jahrtausendwende vervierfacht und beträgt derzeit mehr als 55 Milliarden Dollar. Peking will diese Summe in den nächsten zwölf Jahren sogar auf 100 Milliarden Dollar treiben. Ökonomen machen allerdings nicht nur die gestiegene Nachfrage für den Boom verantwortlich. Schließlich werde auch der Schuldenerlass wirksam, der die Haushalte zahlreicher afrikanischer Staaten entlaste. Und nicht zuletzt habe sich auch die Wirtschaftspolitik der meisten afrikanischen Regierungen merklich verbessert.

Problem Kapitalflucht


Freilich gibt es auch noch viele Gründe zur Sorge. Noch immer leidet Afrika unter einer dramatischen Kapitalflucht: Einer UN-Studie zufolge wurden seit den 70er Jahren 400 Milliarden Dollar aus dem Kontinent geschafft - fast zweimal soviel wie die gesamte Schuldenlast Afrikas (215 Milliarden Dollar).

Ferner wird auf die Notwendigkeit verwiesen, die informelle Schattenwirtschaft - die in manchen Staaten weit mehr als die Hälfte der gesamten ökonomischen Aktivität ausmacht - in die offizielle Volkswirtschaft zu integrieren. Nur so ließen sich die spärlichen Steuereinnahmen in den meisten afrikanischen Staaten verbessern.

Schließlich müssten sich die vom Rohstoffexport abhängigen Ökonomien des Kontinents dringend um Diversifikation bemühen. Andernfalls drohe die industrielle Entwicklung dieser Staaten von den Importen chinesischer Billigprodukte überrollt zu werden.

Solche Einschränkungen sollten die erfreulichen Errungenschaften allerdings nicht vergessen machen, meint John Page, der Chefökonom der Weltbank für Afrika. "Zum ersten Mal seit 25 Jahren kann man sagen, dass der Kontinent den Rest der Welt eher aufholt, als immer weiter abgehängt zu werden."

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Dokument erstellt am 21.11.2007 um 16:52:02 Uhr
Letzte Änderung am 21.11.2007 um 18:23:34 Uhr
Erscheinungsdatum 22.11.2007

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