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Südafrika  

„gesellschaftlich verantwortlich handeln“

Ethisches Verhalten in der Wirtschaft per Gesetz: Das Beispiel Südafrika

Frank Gries

Weltweit rück Corporate Social Responsibility (CSR) angesichts der Umweltproblematik und gesellschaftlich-sozialer Ungleichgewichte immer mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses.  Die Fragestellung, wie Wirtschaftsunternehmen auch abseits des Zieles der Gewinnerzielung gesellschaftlich verantwortlich handeln können und sollen, wird immer stärker diskutiert. Hier scheint es zunächst überraschend, dass ausgerechnet das Schwellenland Südafrika immer wieder als eine führende CSR-Nation genannt wird.  Doch in Südafrika wurde das Konzept der CSR per Gesetz verankert.

 

Nach dem Ende der Apartheid 1994 sah sich die neue Regierung Südafrikas mit einem wesentlichen Problem konfrontiert: Formell nicht mehr Bürger zweiter Klasse, war die schwarze Bevölkerungsmehrheit kaum ökonomisch integriert.  Firmen und Management blieben weiterhin im Besitz der weißen Minderheit.  Um diese Situation zu verändern, wurde nach langen Verhandlungen 2003 der Black Economic Empowerment Act (BEE) verabschiedet.

 

Grundlegend sind dabei Evaliuerungskarten, in denen Unternehmen ihr Engagement hinsichtlich der verschieden gewichteten BEE-Ziele, wie zum Beispiel den Anteil schwarzer Manager oder Fortbildungsmaßnahmen, nachweisen.  Anhand der erreichten Punktzahl erhält das Unternehmen einen BEE-Status.  Nur mit der Maximalzahl von 100 Punkten qualifiziert sich ein Unternehmen beispielsweise für Staatsaufträge.  Von diesen hundert Punkten entfallen alleine 20 auf die Forderung, 70 Prozent der Zulieferungen bei anderen BEE-Unternehmen einzukaufen, wodurch eine große und nachhaltige Vernetzung entsteht.

 

Das Gesetz entfaltet eine breite öffentliche Wirkung.  In einer jüngsten Umfrage gaben 52 Prozent der Konsumenten an, aktiv nach Produkten von BEE-Firmen zu suchen.  75 Prozent würden bevorzugt Produkte von Firmen kaufen, die sich sozial engagieren.  Vielleicht nicht zuletzt durch diese hohe Akzeptanz seitens der Konsumenten scheinen auch die Unternehmen die Bedeutung von CSR-Aktivitäten erkannt zu haben.

 

Trotz dieser positiven Ergebnisse bleibt der BEE auch in Südafrika nicht frei von Kritik:  In erster Linie hätten sich nur wenige sogenannte „schwarze Oligarchen“ ökonomische Vorteile sichern können, während die Masse der Bevölkerung kaum profitiere und weiterhin in Armut lebe.  Viele Nicht Regierungsorganisationen bemängeln zudem die stark wirtschaftliche Ausrichtung.  Aktivitäten in den Bereichen Umweltschutz oder kommunale Unterstützung würden kaum in die Bewertungen einfließen, kritisieren sie.

 

In Kooperation mit dem Beyers-Naudé-Zentrum der Universität Stellenbosch, der Evangelischen Akademien Arnoldshain und Bad Boll und der Initiative Südliches Afrika werden in der Tagung vom 11. bis 13. Dezember 2007 in Arnoldshain die Ideen und Erfahrungen mit corporate Social Responsibility und Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, die ein bedeutendes Kriterium der BEE-Bewertung in Südafrika darstellen, diskutiert und ausgetauscht werden.

 

Interessierte werden sich bitte an Dr. Gotlind Ulshöfer: ulshoefer@evangelische-akademie.de

 

Frank Gries, Initiative Südliches Afrika e.V., Berlin.

 

 

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