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Südafrika  

Der Aufstieg des Kuhhirten

Porträt

JOHANNES DIETERICH

Man könnte es das "Phänomen Zuma" nennen. Als der 65-jährige Vizepräsident des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) noch stellvertretender Staatspräsident war, krähte kein Hahn nach ihm. Jacob Zuma galt als umgänglicher Politiker, der viel kommunikativer als sein eigenwilliger Chef Thabo Mbeki war, glänzte aber nicht durch intellektuelle Brillanz und hatte kein politisches Profil.

Bis es mit Zuma abwärtsging - da wurde aus dem unscheinbaren Vize plötzlich ein Held. Es begann mit der Verurteilung seines Freundes und Finanzberaters Schabir Shaik wegen Korruption. Da zur Bestechung immer zwei gehören und der Shaik verurteilende Richter von einem "gegenseitig korrupten Verhältnis" zwischen Finanzberater und Auftraggeber sprach, zog Präsident Mbeki die für eine saubere Regierungsführung einzig korrekte Konsequenz und legte seinem Vize den Rücktritt nahe. Als sich Zuma weigerte, feuerte er ihn.
Damit aber begann der Aufstieg des gefallenen Politikers, der Mitte nächster Woche mit seiner Wahl zum ANC-Präsidenten seinen vorläufigen Höhepunkt finden könnte. Denn mit Zuma hatten alle Gegner Mbekis plötzlich einen Kandidaten, den sie als Sturmgeschütz positionieren konnten - und Feinde hatte der Staatspräsident bereits mehr als genug: Allen voran Gewerkschafter und Kommunisten innerhalb des ANC, denen die unternehmerfreundliche Politik Mbekis nie geheuer war. Dass Zuma keineswegs als Linker galt und Mbekis Wirtschaftskurs als Vize kritiklos mitgetragen hatte, tat nichts zur Sache: Hauptsache, Zuma will selbst Präsident werden, ist ein Opfer Mbekis und weiß "die Massen" zu begeistern. Das kann der einstige Kuhhirte tatsächlich besser als sein Chef: Wenn Zuma, der erst als Erwachsener Lesen und Schreiben lernte, sein Lieblingsbefreiungslied "Gib mir mein Maschinengewehr" anstimmt, kommt Schwung in Kundgebungen.
Beim Versuch, den Herausforderer zu stoppen, unterliefen Mbeki schwere Fehler. Ob auch der Vorwurf der Vergewaltigung, dessen sich Zuma vor Gericht erwehren musste, ein Komplott war, wie Zumas Freunde sagen, sei dahingestellt: Jedenfalls wurde der praktizierende Polygamist freigesprochen. Im Verfahren gab Zuma manche Dummheit von sich (so sagte er auf die Frage des Richters, wie er sich beim Beischlaf mit der HIV-positiven Klägerin vor Ansteckung schützte, er habe danach heiß geduscht): Seinem Ruf als Opfer Mbekis schadete das nicht. Während des Prozesses tanzten seine Fans vor dem Gericht und verbrannten T-Shirts mit Mbekis Konterfei. Sollte Zuma tatsächlich zum Präsidenten des ANC und dann in zwei Jahren zum Staatspräsidenten gewählt werden, hätte er dies vor allem seinem Vorgänger zu verdanken: Zuma ist der Anti-Mbeki-Mann.
Quelle:  www.FR-online.de

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