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Südafrika  

Südafrikas Tsunami

Analyse

Johannes Dietrich

Südafrika wurde von einem "Zunami" heimgesucht. Bereits vor Monaten hatte der Chef des Gewerkschaftsbunds angekündigt, die von Jacob Zuma, dem Vize des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), geführte Opposition gegen Staatspräsident Thabo Mbeki werde wie ein Tsunami das Kap der Guten Hoffnung überschwemmen.

Nun hat eine satte Mehrheit der 4000 Delegierten des ANC-Parteitags mit dem bisherigen Parteichef Mbeki auch seine sämtlichen Freunde und Verbündeten aus dem Amt gewählt: Die Regierungspartei, die mit einer Dreiviertelmehrheit im Parlament über eine unerschütterliche Machtgarantie verfügt, ist über Nacht eine andere geworden.

So vernichtend fiel Mbekis Niederlage aus, dass einem der 65-jährige Präsident beinah leidtun könnte - wenn sich der ANC-Hierarch die Blamage nicht ganz und gar selbst zuzuschreiben hätte. Zwei von drei Delegierten sagten, sangen oder schrien es in jede Kamera, jedes Mikrofon: "Der Mann hört nicht mehr, was wir ihm sagen." So wenig hat er hingehört, dass er nicht einmal das Ausmaß der Unzufriedenheit mitbekam.

Doch da er längst nicht mehr auf das Parteivolk setzen konnte, suchte er mit anderen Mitteln, den Herausforderer zu stoppen: Die Gerichte sollten sich um Zuma kümmern, ihn wegen Korruption oder gar wegen Vergewaltigung verurteilen. Nun wäre es vermessen zu behaupten, die Vorwürfe gegen Zuma wegen eines Waffengeschäfts, in das auch die deutsche Waffenschmiede Thyssen-Krupp verwickelt ist, seien eine bloße Fabrikation Mbekis und seiner Agenten. Tatsächlich wurde Zumas Freund Schabir Schaik wegen seines korrupten Verhältnisses mit Zuma rechtskräftig verurteilt. Eigentlich müsste also auch der zweite Teil des Duos vor den Kadi.

Allerdings wurden die Ermittlungen gegen Zuma unter so offensichtlicher politischer Einmischung geführt, dass seine Anhänger nicht grundlos fragten, ob das noch strafrechtliche oder schon politische Verfahren sind. Voraussichtlich werden die Ermittlungen gegen Zuma jetzt irgendwann eingestellt. Die Gewaltenteilung ist in der jungen Demokratie nicht so fest verankert, dass sich die schmächtige Justiz gegen die allmächtige Partei behaupten könnte.

Damit liegt der erste dunkle Schatten über der Ära des neuen ANC-Präsidenten, der traditionsgemäß von seiner Partei nach den Wahlen in anderthalb Jahren zum Präsidenten gekürt werden wird (falls Mbeki überhaupt solange im Regierungssessel überlebt). Und bei einem Schatten wird es nicht bleiben: Zuma ist eine zu kontroverse Figur, um nicht für dauernde Aufregung zu sorgen.

An der ANC-Politik werde sich zunächst nichts ändern, versichern seine Freunde: Sie befürchten, dass das von Mbeki transportierte Image Zumas als moralisch zweifelhaft und intellektuell beschränkt ausländische Investoren abschrecken könnte. Zudem hievten ihn vor allem die mit dem ANC verbündeten Kommunisten und der Gewerkschaftsbund in den Sattel. Die Geschäftswelt befürchtet einen Linksruck.

Zumindest der Stil werde sich ändern, sagt Politikprofessor Adam Habib. Man werde sich an einen Präsidenten gewöhnen müssen, der zum Befreiungslied "Gib mir mein Maschinengewehr" auf dem Podium tanzt. Nur solange keiner das Lied wörtlich nimmt, kann man sich über die Unterhaltung freuen.

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Dokument erstellt am 19.12.2007 um 15:44:02 Uhr
Letzte Änderung am 19.12.2007 um 17:54:11 Uhr
Erscheinungsdatum 19.12.2007

 

 

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