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Südafrika  

Der Chef von Interpol gibt auf

VON JOHANNES DIETERICH

Südafrikas Polizeichef Jackie Selebi, bislang auch Präsident von Interpol, wurde am Samstag vom südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki vorläufig seines Amtes enthoben. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft den 57-jährigen ANC-Mann wegen Korruption, Betrugs, Geldwäscherei und der Behinderung von Ermittlungen anklagen wird.

Dem Vertrauten Mbekis wird vorgeworfen, von seinem Freund, dem wegen Rauschgifthandels verurteilten Unterwelt-Geschäftsmann Glen Agliotti, umgerechnet mindestens 120 000 Euro Bestechungsgelder erhalten zu haben. Selebi soll auch dem berüchtigten simbabwischen Geschäftsmann Billy Rautenbach bei der Vermeidung eines internationalen Haftbefehls Hilfe versprochen haben. Schließlich wird sein Name im Zusammenhang mit dem Mord an dem umstrittenen Minenmagnaten Brett Kebble in Verbindung gebracht. Wegen dieses Mords wird sich Agliotti noch vor Gericht verantworten müssen.

Selebi war bereits vor über einem Jahr ins Gerede gekommen, nachdem sein Verhältnis zu Agliotti bekannt geworden war. Der Polizeichef räumte offen ein, dass er ihm freundschaftlich verbunden sei. Präsident Mbeki hatte seinen Polizeichef stets in Schutz genommen: Ihm seien keine konkreten Verdachtsmomente gegen Selebi bekannt.

Bereits Anfang 2007 war ihm allerdings ein vertrauliches Dossier des Chefs der Staatsanwaltschaft, Vusi Pikoli, übergeben worden, in dem die Vorwürfe gegen Selebi aufgelistet wurden. Nachdem Pikoli im Oktober - offenbar ohne Mbeki zuvor in Kenntnis zu setzen - einen Haftbefehl gegen Selebi erwirkt hatte, enthob Mbeki Pikoli seines Amtes. Danach wurde der Haftbefehl gegen Selebi wieder aufgehoben. Trotzdem konnte Mbeki, der beim Parteitag Mitte Dezember als ANC-Chef abgewählt worden war, nicht verhindern, dass die Ermittlungen gegen seinen Schützling weitergeführt wurden. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und der von der Polizei unabhängigen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsbehörde "Scorpions" basierten auf einem umfassenden Geständnis Agliottis, der sich auf diese Weise Strafmilderung erwirkte.

Seinen Job als Interpol-Präsident gab Selebi selbst auf, mit der Begründung, er wolle vom internationalen Zusammenschluss der Ordnungshüter Schaden abwenden.

 


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Dokument erstellt am 13.01.2008 um 17:04:02 Uhr
Erscheinungsdatum 14.01.2008

 

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