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Südafrika  

Südafrikas Eigentor

Friedenskonferenz platzt

VON JOHANNES DIETERICH

Ein Jahr vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat die südafrikanische Regierung ein peinliches Eigentor geschossen. Eine Friedenskonferenz, die der hiesige Fußballverband Ende dieser Woche veranstalten wollte, um die positive Rolle des Sports im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus hervorzuheben, musste abgesagt werden, nachdem die Pretoria dem Dalai Lama kein Einreisevisum ausstellte.


Mehrere Teilnehmer, darunter die südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Frederik Willem de Klerk sowie der Direktor des norwegischen Nobelkomitees, Geir Lundestad, sagten empört ihre Beteiligung ab, woraufhin Fußballverbandschef Irvin Khosa am Dienstag die "Verschiebung" der Veranstaltung bekannt gab. Die Regierung hatte ihre Visa-Verweigerung zuvor mit den "Interessen des Landes" begründet. Die Augen der Welt seien derzeit auf Südafrika gerichtet, sagte Regierungssprecher Thabo Masebe: "Der Besuch des Dalai Lama würde das Scheinwerferlicht weg von Südafrika auf die Vorgänge in Tibet lenken."

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Nun ist es tatsächlich gelungen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken - allerdings nicht aus den gewünschten Gründen. Niemand zweifelt daran, dass die Entscheidung auf Druck Chinas zustande kam, mit dem Südafrika engste Wirtschaftsbeziehungen unterhält. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von zehn Milliarden Dollar ist das Land der mit Abstand wichtigste afrikanische Partner Pekings. Ein chinesischer Diplomat räumte denn auch unumwunden ein, dass seine Regierung davor gewarnt habe, den Dalai Lama einreisen zu lassen.

 

Erzbischof Tutu beklagte daraufhin, dass sich seine Regierung "schamlos dem Druck aus Peking" beuge. Frederik Willem de Klerk, der letzte weiße Präsident des einstigen Apartheidstaates, sagte: "Südafrika ist ein souveräner Staat, der sich nicht befehlen lassen sollte, wen es in sein Hoheitsgebiet lässt und wen nicht."

Dagegen pries Peking die Haltung Pretorias: "Wir begrüßen die Maßnahmen bestimmter Länder, die Chinas Souveränität respektieren und sich Tibets Unabhängigkeit widersetzen", sagte der außenpolitische Sprecher Qin Gang.

 

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Copyright © FR-online.de 2009
Dokument erstellt am 24.03.2009 um 17:28:02 Uhr
Letzte Änderung am 24.03.2009 um 19:19:31 Uhr
Erscheinungsdatum 25.03.2009

 

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