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Südafrika  

Das Porträt - Steve B i k o

Eine Bronzestatue erinnert inzwischen auch an Steve Biko. Dazu musste das Idol der südafrikanischen Black-Consciousness-Bewegung allerdings erst einmal ein Vierteljahrhundert lang tot sein

Johannes Dieterich, Frankfurter Rundschau, 12. September 2002, Seite 2

Mit dem Studentenführer, der vor 25 Jahren seinen beim Verhör von weißen Sicherheitspolizisten beigebrachten Kopfverletzungen erlag, hatten nicht nur die Apartheidsherrscher ihre Schwierigkeiten.

Der Politische Aufstieg des charismatischen Medizinstudenten Biko begann in der wohl dunkelsten Stunde des südafrikanischen Befreiungskampfs: Anfang der 70er Jahre befand sich die gesamte ANC-Führung entweder hinter Gittern oder im Exil, die Welt scherte sich nicht um ihren heutigen Heroen Nelson Mandela, die meisten Schwarzen hatten resigniert. Ihnen hielt Biko sein politisches Credo entgegen: "Die wirkungsvollste Waffe des Unterdrückers ist das Hirn des Unterdrückten", so der viel zitierte Satz des kämpferischen Intellektuellen: "Schwarz sein ist keine Frag der Hautpigmente, sondern des Bewusstseins."

Bikos Ruf rüttelte besonders Südafrikas Jugendliche wach. Zu Recht gilt der Vater der Bewegung Black Consciousness (Schwarzes Bewusstsein) auch als Kopf der Schülerunruhen in Soweto, die sich 1976 daran entzündeten, dass die Hirne schwarzer Schüler mit der Burensprache Afrikaans zwangsgefüttert werden sollten. Seinen Landsleuten das Selbstwertgefühl zurückgegeben, ihren Willen zum Widerstand wiederhergestellt zu haben, war Bikos einzigartiger historischer Verdienst.

Biko starb 31-jährig am 12. September 1977 in einer Zelle in Pretoria, nachdem er zuvor bewusstlos und nackt auf der Pritsche eines Polizei-Landrovers 1200 Kilometer lang durchs Land gekarrt worden war. Nach seinem Tod begann ein langer, teilweise sogar blutig geführter Konflikt um sein Vermächtnis. Radikale Anhänger interpretierten Bikos Rückgriff auf das schwarze Selbstbewusstsein als Absage an die "farbenblinde" Befreiungspolitik des ANC, dem auch linke Weiße angehörten, und gründeten ihre eigene Befreiungsbewegung Azapo - für die Schwarz sein eine Mitgliedsvoraussetzung war.

Der wesentlich besser organisierte ANC triumphierte schließlich; heute ist Azapo nichts weiter als eine ständigen Spaltungen unterworfene Polit-Sekte, mit einem einzigen Sitz im Parlament. Und zum Idol des Befreiungskampfes wurde nicht der in Richard Attenboroughs Film "Cry Freedom" ("Schrei nach Freiheit") und in Peter Gabriels "Biko"-Hit verewigte scharfzüngige Revolutionär, sondern der charmante Nelson Mandela, der es verstand, die weiße Minderheit zur Preisgabe ihrer politischen Macht zu überreden.

Ob Südafrikas Geschichte völlig anders verlaufen wäre, wenn Biko nicht umgebracht worden wäre, ist eine müßige Spekulation. Für die Regierung im neuen Südafrika ist das klar: Sie hat "einen der größten Söhne der Nation" längst in die eigenen Reihen aufgenommen und in Bronze gießen lassen. Und als lebender Beweis dafür, dass der Studentenführer heute zum Establishment gehören würde, wird seine langjährige Kampfgefährtin angeführt: Mamphela Ramphela ist Weltbank-Direktorin.

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